HabenFertig
HabenFertig
30.05. – 13.07.2026
Galerie 7kunst
Quedlinburger Wordspeicher
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der Kunst
Schon der Titel dieser Ausstellung irritiert, provoziert und macht neugierig. „HabenFertig“ – das klingt nach Abschluss und Neubeginn zugleich, nach Bilanz und Aufbruch, nach einer Feststellung und einer Frage. Besonders deutlich wird dieses Spannungsfeld auch in der Trilogie für das H&M-Modell Nicole S. Hier verbindet Harald Bauer Fragen nach Identität, Inszenierung und gesellschaftlichen Rollenbildern mit seiner unverwechselbaren Bildsprache. Die Serie zeigt nicht nur eine Person, sondern reflektiert zugleich die Mechanismen von Mode, Wahrnehmung und Selbstentwurf in einer von Bildern geprägten Gegenwart. Zugleich erhält die Werkgruppe durch das tragische Schicksal von Nicole S. eine zusätzliche, berührende Ebene. Ihr früher und trauriger Tod verleiht den Bildern heute eine nachdenkliche Dimension und erinnert daran, wie verletzlich menschliche Biografien hinter den öffentlichen Inszenierungen bleiben. Was haben wir fertig? Was haben wir hinter uns gelassen? Und was tragen wir noch mit uns?
Die Arbeiten von Harald Bauer geben darauf keine einfachen Antworten. Sie stellen Fragen an unsere Zeit, an unsere Erinnerungen und an die gesellschaftlichen Veränderungen, die unser Leben geprägt haben.
Harald Bauer gehörte zu jenen Künstlern, die in den Dingen des Alltags mehr sahen als bloße Gegenstände. Fundstücke, Metallteile, Schilder, Spuren des Gebrauchs und der Geschichte wurden bei ihm zu Trägern von Bedeutung. Das Weggeworfene erhielt eine neue Stimme, das Übersehene eine neue Würde.
Besonders eindrucksvoll wird dies in den Arbeiten sichtbar, die sich mit den Symbolen unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirklichkeit auseinandersetzen. Warnschilder für Energie, Gas und Strom erscheinen nicht mehr als technische Hinweise. Sie werden zu Zeichen einer Epoche, zu Chiffren von Fortschritt, Abhängigkeit und Veränderung. Was einst Sicherheit und Versorgung versprach, wird im künstlerischen Kontext zum Bild unserer Verletzlichkeit und unserer Fragen nach der Zukunft.
Auch die Werkgruppe „Abschied von der Mark“ führt uns zurück in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Die D-Mark war für viele Menschen weit mehr als ein Zahlungsmittel. Sie war Symbol von Hoffnung, Aufbruch, Identität und wirtschaftlicher Stabilität. In Bauers Arbeiten wird der Abschied von ihr zu einer Reflexion über Verlust und Gewinn, über Erinnerung und Wandel.
Die Bilder in Schwarz-Rot-Gold wiederum greifen die Farben nationaler Identität auf, ohne sich in einfachen Aussagen zu erschöpfen. Sie fragen nach dem Verhältnis von Geschichte und Gegenwart, von Zugehörigkeit und Verantwortung. Sie zeigen, dass Kunst dort besonders interessant wird, wo sie keine Parolen liefert, sondern Denk- und Erfahrungsräume öffnet.
„HabenFertig“ ist deshalb keine rückblickende Ausstellung allein. Sie ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Auf die Materialien. Auf die Zeichen unserer Zeit. Auf das, was bleibt, wenn gesellschaftliche Gewissheiten verschwinden.
Harald Bauer verstand Kunst nie als Dekoration. Seine Werke konfrontieren uns mit unserer Wirklichkeit. Sie erzählen von Arbeit und Alltag, von Erinnerung und Veränderung, von der Fähigkeit des Menschen, aus dem Vorgefundenen etwas Neues entstehen zu lassen. Gerade darin liegt ihre Aktualität.
Mein Dank gilt der Galerie 7kunst für die Präsentation dieser bemerkenswerten Ausstellung sowie allen, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben.
Ihr Markus Scholz












